Es wäre zu schade, nicht doch noch von diesem beeindruckenden Ort zu berichten.. Also lasst uns in Gedanken zwei Monate zurückreisen in den Oktober zum Highlight einer kleinen spontanen Ausfahrt ganz in den Westen der Bourgogne (Burgund)! Das Ziel ist die Mittelalterbaustelle Guédelon, ein Tipp von guten Wohnmobil-Freunden (danke Ike ❤️ ).

Was darf man sich darunter vorstellen? Und gleich vorweg: Es gibt dazu unsere absolute Empfehlung – ein wunderbares Erlebnis, alle Sinne werden angesprochen, lehrreich, sehr interessant! Wir selbst wussten so gut wie nichts darüber. Der folgende Infotext (kursiv) ist Wikipedia entnommen. Ich mische ihn mit meinen Bildern.

Guédelon ist ein Projekt zur Errichtung einer Burg auf dem Gebiet der französischen Gemeinde Treigny im Département Yonne. Nach den Prinzipien der experimentellen Archäologie werden bei diesem Projekt nur Techniken aus dem 13. Jahrhundert angewandt, der Baubeginn war 1997. Die Fertigstellung der Burg war für das Jahr 2023 geplant, inzwischen wird ca. 2030 anvisiert.

Guédelon wird hauptsächlich durch seine eigenen Einnahmen finanziert, die aus Eintrittsgeldern, dem Shop und Gastronomie stammen, da es sich um ein privat geführtes Unternehmen handelt. Ursprünglich gab es auch staatliche und EU-Förderungen, aber heute trägt sich das Projekt selbst durch Besucher und Verkäufe, die die Kosten für die vielen Angestellten und Handwerker decken.

Michel Guyot, der Begründer des Projekts, hatte seit den 1970er-Jahren bei der Restaurierung von Schlössern und Burgen in der Region Erfahrungen gesammelt. Mit der Burg Guédelon setzt er einen langgehegten Traum um. Nach längerer Suche nach einem geeigneten Platz, an dem ausreichend Baumaterialien wie Stein, Holz und Wasser zur Verfügung stehen würden, begann man 1997 in einem stillgelegten Steinbruch mit dem Bau. Dabei kamen möglichst nur Methoden des 13. Jahrhunderts zur Anwendung, wie z. B. die Zwölfknotenschnur zum Bestimmen rechter Winkel.

Das Projekt wird unter möglichst authentischen Bedingungen durchgeführt, entsprechend den Grundsätzen der experimentellen Archäologie. Daher tragen die Handwerker und Mitarbeiter mittelalterliche Gewänder. Zum Arbeits- und Gesundheitsschutz werden persönliche Schutzausrüstungen wie Schutzbrillen, Handschuhe und Stahlkappenschuhe getragen; die Tretkräne erhielten Sicherheitsbremsen. Alle Werkzeuge und Hilfsmittel wie Tretkräne, Lehrgerüste und Gewölbeschalungen werden auf der Baustelle selbst hergestellt, Transporte mit großrädrigen Pferdekarren bewerkstelligt.

Zulieferer an der Baustelle sind Handwerker, die unter anderem Dachschindeln, Körbe, Töpferwaren, Fliesen, Nägel, Werkzeuge, Seile, Balken und Kleidung herstellen; außerdem werden Pferde, Schafe, Schweine, Gänse, Hühner und Enten gehalten.

Holz für die Gerüste wird im umliegenden Wald geschlagen, Bruchsteine werden in dem alten Steinbruch, in dem sich die Baustelle befindet, mit einfachen, zeittypischen Werkzeugen gebrochen und mit Pferdewagen zu den Steinmetzwerkstätten transportiert. Mörtel wird aus Sand, Ton und gelöschtem Kalk hergestellt. Mörtel und Steine werden in handgefertigten Körben an den Bau gebracht.

Nägel werden in der örtlichen Schmiede von Hand geschmiedet. Einige Rohmaterialien werden angeliefert, zum Beispiel Roheisen von eher geringer Qualität (kein Stahl) oder besagter gelöschter Kalk, da dessen Herstellung vor Ort zu gefährlich wäre. Ausnahme sind auch die Baugerüste, da sie aus Sicherheitsgründen aus mit modernen Methoden bearbeitetem Holz bestehen und mit Metallschrauben verbunden sind.

Unter der Leitung von Michel Guyot arbeiten 50 vollberufliche Arbeiter und in der Hauptsaison bis zu 16 Freiwillige an der Burg. Die Arbeiten ruhen von November bis März jeden Jahres. In dieser Zeit ist die Baustelle auch für Besucher geschlossen.

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Das architektonische Muster für Guédelon liefert der zur Zeit von Philipp II., dem französischen König von 1180 bis 1223, geltende Architektur-Kanon des 12. und 13. Jahrhunderts mit dem vom König angeordneten Standard der Festungsarchitektur. Die Schlösser Louvre in Paris, Yèvre-le-Châtel im Loiret wie auch das nahe Schloss Ratilly und die Burgruine in Druyes-les-Belles-Fontaines sind Beispiele dafür.

Ja und auf zwei, der oben erwähnten Festungen treffen wir sogar rein zufällig! 🙂

Weil wir bei der mittelalterlichen Großbaustelle mit dem Womo nur parken, aber nicht nächtigen dürfen, fahren wir tags zuvor ins nahe Dorf Treigny . Dort unternehmen wir noch eine kleine Wanderung und entdecken mitten in der Natur, ganz abgeschieden das wunderschöne Schloss…

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Nach unserem erlebnisreichen Tag auf Guédelon erreichen wir am Abend auf kleinen Sträßlein noch das sehr malerische Druyes-les-Belles-Fontaines, weil es hier einen kleinen Stellplatz gibt – tja, so fügt es sich manchmal ohne jegliche Planung…

Damit beschließt Donnamattea den Rückblick ins Burgund. Und wünscht euch – ausnahmsweise von zuhause 🙂 :