Schon drei Tage vor unserer Ankunft haben wir den Aufenthalt in Lüneburg vorbereitet: nämlich eine Stadtbesichtigung gebucht! (Nicht dass wir wie in Göttingen leer ausgehen.) Jetzt freuen wir uns darauf!

„Lüneburg ist unverwechselbar, Lüneburg ist eine Stadt mit Charakter!“ – so heißt es auf der offiziellen Tourismus-Seite der Stadt und so empfinden wir es auch. Und zwar noch umso mehr bei/nach der exzellenten Stadtführung. Dazu jetzt erst einmal ein paar Bilder. Da heute Samstag ist, sieht man sehr viele Menschen, vermutlich die meisten sogar Touristen und vor dem Rathaus herrscht außerdem reges Markttreiben.

Der versierte Stadtführer hat seine Gruppe voll im Griff. Er kann wunderbar Geschichte und Geschichten verbinden und verteilt immer mal wieder ‚Rollen‘ an seine Teilnehmer. So gibt es ein ‚Schlitzohr‘ und sogar die ‚Hölle‘.

Auf dem Bild ganz oben rechts erklärt er anhand einer Zeichnung den Namen ‚Lüneburg‘. Die Altstadt liegt nämlich über einem Salzstock, der den Reichtum der Stadt begründete und dessen Kappe aus Gips, der Kalkberg, zugleich einen hervorragenden Bauplatz für die Fluchtburg – die Lüneburg – darstellte. Später zerstörten die Lüneburger selbst die Burg, um dem Braunschweiger Herzog Magnus Torquatus nicht die Möglichkeit zu geben, von hier zu regieren. Auch vom Kalkberg ist nicht mehr viel übrig.

Nach der sehr gehaltvollen Führung zuerst mal zur längsten Pizza von Lüneburg:

Prachtvolle Giebelhäuser auf dem mittelalterlichen Platz ‚Am Sande‘:

Die Stadt teilte sich in die vier Siedlungsplätze auf, die heute noch deutlich erkennbar sind:

  • Sülzviertel; Saline und Siedlung
  • Marktviertel; frühere Fluchtburg bzw. Kalkberg und die Häuser darum
  • Sandviertel; heute Platz Am Sande
  • Wasserviertel; zwischen Marktplatz und Hafen an der Ilmenau

Eingangsportal der Alten Rats-Apotheke aus dem Jahr 1598, noch heute eine Apotheke:

Das Rathaus:

Immer gern ein bisschen Street-Art. Garagenbild: 1. St.Nicolaikirche, 2. Rathaus, 3. Alter Kran, 4. Wasserturm:

St.Nicolaikirche:

Warum ist Lüneburg eine Hansestadt?

Durch seine lange Monopolstellung als Salzlieferant im norddeutschen Raum, die erst spät durch Salzimporte aus Frankreich geschwächt wurde, war Lüneburg ein frühes Mitglied der Hanse: Als Bund einzelner Kaufleute in Lübeck 1158 begonnen, kam es 1356 auf dem ersten allgemeinen Hansetag zum Bund von Handelsstädten. Das Lüneburger Salz war notwendig, um die in der Ostsee und vor Norwegen gefangenen Heringe einzupökeln und so konserviert als Fastenspeise im Binnenland anzubieten.

Wikipedia

Am Alten Kran und dem Stintmarkt (Wasserviertel). In diesem malerischen Ensemble aus Hafen, pittoresken Giebelhäusern und Altem Kran befindet sich Lüneburgs beliebtes Kneipen- und Restaurantviertel. Der Stint war im Mittelalter der zentrale Umschlagplatz für Salz und den Stint, einem kleinen lachsähnlichen Fisch – eigentlich ein Meeresfisch, der zum Laichen aber über die Elbe bis in die Ilmenau nach Lüneburg vordrang. Der Alte Kran aus dem Jahr 1346 funktioniert heute noch!

Abends noch einmal am prächtigen, großen Platz ‚Am Sande‘. Und warum heißt er so? Das hat uns der Stadtführer natürlich auch auf seine ganz besondere Art unterhaltsam vermittelt: Im Mittelalter hatte man ja bekanntlich noch keine Abwasser-Kanalisation und auch keine Müllabfuhr. Jeder kippte seinen Sch… und die Küchenabfälle auf die Straße. Dann „ließ man die Sau raus“ zur Restevertilgung und „jeder kehrte vor seiner Tür“. Ab und zu kam eine Kutsche mit ‚Kotflügeln'(!) und brachte Sand. Der wurde einfach nur über den ganzen Dreck geleert. „Das tritt sich fest“ und auf diese Weise wurde der Platz immer höher, so dass das untere Stockwerk der Häuser langsam zum Keller wurde, was man zum Teil heute noch sehen kann.

Zum Schluss noch ein paar rote Rosen aus Lüneburg für alle, die die TV-Serie Rote Rosen mögen. (Donnamattea kennt sie jedoch gar nicht und hat das nur bei der Führung mitbekommen 🙂 ) Bild ganz rechts: die älteste Kneipe in Lüneburg (leider geschlossen heute):


Am Sonntag geht’s nach Hamburg. Das erste große Ziel unserer Augustreise. Ein Geburtstag! Donnamattea nimmt den Zug. Lüneburg-Hamburg und zurück. Wir haben ja je ein 9€-Ticket. 🙂 Das Womo wartet derweil brav in Lüneburg.

Aber es klappt einiges nicht. Der erste Zug fällt aus. Eine Stunde warten… Der Bahnsteig wird noch voller! Auf selbigem in Hamburg, jetzt steigen alle aus: Stillstand (Bild) 😦

Alles andere gelingt jedoch bestens! Und es wird ein herrlicher, fröhlicher, warmer Tag mit wunderbaren Begegnungen!!

Und am Abend fällt der (letzte!) Zug auch aus, unglaublich!! Personalmangel! Ein ICE nimmt uns gnädig mit und auf Umwegen erreichen wir schließlich doch noch Lüneburg…


Unsere Übernachtungen:

  • Oerzen bei Lüneburg, P am Friedhof; GPS 53.182545/ 10.319278; p4n
  • Lüneburg, P Kreidebergsee; GPS 53.25527 / 10.405623; p4n (Sa ab 14Uhr und So kostenfrei)