Der Mudéjar-Stil, der durch das Zusammenleben von Juden, Mauren und Christen entstand, war auf der iberischen Halbinsel der prägende architektonische Stil des 12. Jahrhunderts. Charakteristisch ist der Gebrauch von Ziegeln. Der Mudéjar-Stil bildete keine neuen Strukturen oder Formen heraus (wie etwa Gotik oder Romanik). Vielmehr handelte es sich um eine Neuauslegung der westlichen Baustile unter dem Einfluss moslemischer Architektur. Toledo gilt als Geburtsstätte des Mudéjar-Stils . Von hier aus gelangt der Stil Richtung Norden und wird bald ‚Románico de Ladrillo‘ (Backstein-Romanik) genannt.

Am weitesten entwickelt er sich vor allem in Aragonien, insbesondere in Teruel, aber auch in Zaragoza, Utebo, Tauste, Daroca, Calatayud….

spain info; leicht verändert

Zum Auftakt das folgende beeindruckende Bild auf einer hohen Häuserwand in Calatayud:

Was sieht man eigentlich? Dreierlei fällt auf, oder? Auf dem Wandbild auch schon dreierlei. Wie wirkt es auf euch?

  • Die drei großen Religionen Judentum, Islam und Christentum. Davidstern, Halbmond und Kreuz. Können/ konnten Juden, Muslime und Christen friedlich nebeneinander und miteinander leben. Geschichte…
  • Im Hintergrund ein Turm im Mudéjar-Stil. Die Mudéjaren (spanisch Mudéjares) waren Muslime, die unter einer nicht-islamischen Herrschaft in einem nicht-islamischen Land lebten. Sie waren z.B. in Aragonien eine bedeutende Minderheit.
  • Außerdem sieht man viele Bauruinen.

Auch in Donnamatteas Herz schlägt es in diesen bedrückenden Zeiten dreifach. Können sie sich einigen, die Juden Israels und die Palästinenser? Warum Antisemitismus bei uns?

Nun zur Stadtbesichtigung in Calatayud, links der achteckige Torre der Colegiata de Santa María la Major (1), rechts der Torre der Iglesia de San Juan el Real (2). Beide Mudéjar und damit UNESCO-Welterbe.

Und nochmal, auch im Ausschnitt der prächtige Turm und das Portal (zu 1):

Nicht minder eindrucksvoll die Kirche San Juan (2):

Aber der Weg durch die Altstadt zu den prachtvollen Kirchen führt uns erschreckend vorbei an verlassenen, verwahrlosten Häusern, meist unbewohnt und baufällig. Ruinen. Auch der einst stolze Plaza España kann nur mit Fassadenfarbe die Stimmung retten.

Hier siegt die Lebensfreude über die Tristesse:

Was ist da los?

Im WOMO-Reiseführer von Ulrike und Frank Staub ‚Zentralspanien – Der Osten‘, den wir seit Zaragoza nutzen, lesen wir, dass der Grund für die marode Bausubstanz und das Verlassen der Häuser in Bodenabsenkungen wegen des gipshaltigen Untergrundgesteins liegt. Ein Sanierungskonzept liegt zwar vor, aber es wird wohl sehr teuer..

Kommt man weiter in neuere, belebte Straßen, pulsiert wieder geschäftiges Treiben. Auch der nette kostenfreie Wohnmobil-Stellplatz liegt hier:

Das direkte Nebeneinander von architektonischen Meisterleistungen vergangener Zeiten mit UNESCO-Auszeichnung und der großflächigen Baufälligkeit der Altstadt heute berührt uns sehr. Es zeigt aber wohl gerade deshalb ein „unverfälschtes, authentisches Bild Spaniens“ (wörtlich die oben genannten Verfasser auf Seite 311 🙂 ).


Nun weiter ins knapp 40 Kilometer entfernte Städtchen Daroca. Es wurde einst umschlossen von einer vier Kilometer langen und bis zu zehn Meter hohen Stadtmauer, welche die größte in ganz Aragón war; sie wurde und wird noch in Teilen restauriert. Vier Stadttore sind erhalten. Mehrere Castillo-Ruinen überragen den Ort. Einige der Kirchen besitzen Teile im Mudéjar-Stil.

Impressionen:

Mudéjar alt, aber auch mal ‚modern‘ 🙂 …


Zum Schluss noch einmal das Anfangsbild…