Nach Óbidos packen wir Stephanie Seuferts nächsten Reiseführer aus: „Mit dem Wohnmobil nach Portugal, Teil 2: Der Süden“. Bevor wir jedoch zur ersten Tour gelangen, bremst uns der mittlerweile sehr breite Rio Tejo, der bei Lissabon in den Atlantik mündet, unvermutet aus. Südlich von Santarém bei Morgado bereitet uns, die als Abkürzung der Fahrt gedachte Brücke ‚Ponte Rainha Dona Amélia‘ ein völlig überraschendes Ende. Das Womo ist 15cm zu hoch! Der Polizist vor der Brücke schickt uns zurück…

Müssen wir also doch über Santarém. Wir befinden uns im Ribatejo(portugiesisch für Ufer des Tejo) eine ehemalige Provinz in der Tejo-Ebene nordöstlich von Lissabon, die auch den Beinamen Garten Lissabons trägt. Alle aufgelösten Provinzen leben jedoch als regionale Bezeichnungen zum Teil im alltäglichen Sprachgebrauch in Portugal weiter, so auch der Ribatejo, der für seine Pferde- und Stierzucht, seine lebendige Folklore und für seine vielfältige Landwirtschaft – besonders Reis, Wein, Getreide, Gemüse, und Obst – bekannt ist (Wikipedia).


In Coruche am Rio Sorraia stoßen wir dann auf die Tour 1 und parken an der Wallfahrtskirche Nossa Senhora Castelo, herrlich über dem Ort gelegen mit bester Aussicht ins Ribatejo. Morgens dann noch eine kleine Stadtbesichtigung einschließlich Stierkampfarena und Treppenkunst:


Die Straße beim Verlassen der Stadt braucht fünf Brücken, bis sie alle Arme des Rio Sorraia überquert hat. Sein fruchtbares Schwemmland zeigt uns große Reisfelder, abgeerntete Maisfelder und viel Gemüse- und Obstanbau.

Auch durch Korkeichenwälder führt uns die Straße:

Vorbei an Oliven, gezogen als erntefreundliche Büsche:


Am Südufer des Barragem do Maranhão, einem großen Stausee finden wir ein sehr stilles Plätzchen für die Nacht, fahren sogar über die Staumauer und stehen direkt am Seeufer in einer Sackgasse – herrlich! Die genauen Daten aller Standplätze der Reise findet ihr weiterhin hier.


Vorbei an Avis und Portalegre, mittlerweile im Alto Alentejo, dem Oberen Alentejo, steigt die Straße wieder an in den Parque Natural de Serra de São Mamede hinauf und wir nähern uns immer mehr der spanischen Grenze. In Portagem legen wir einen kleinen Stop ein. Hier steht eine berühmte Steinbogenbrücke, über die im Jahr 1492 Tausende Juden vor der Verfolgung in Spanien flohen. Im Wachturm musste dafür vorab Maut (portugiesisch: portagem) bezahlt werden.

Aber was noch viel mehr ins Auge sticht in Portagem ist ein naher Berg mit fast senkrechter Felswand – und obendrauf wie ein Adlernest eine Burg und weiße Häuser – Marvão. Leider schlecht zu erkennen auf dem Foto. Auf jeden Fall – das muss jetzt sein!

Marvão. Von Portagem steigt das Womo in einer großen Kurve um den Berg mehr als 300 Meter hoch auf über 800 m. Am Ortseingang parken wir auf dem Womostellplatz. Und da schon: Was für ein Ausblick!

Die im 16.Jahrhundert erbaute Burg thront über dem Ort mit seinen weiß gekalkten hübschen Häuschen. Bereits die Römer  unterhielten hier eine Siedlung, in der damals 1500 Menschen lebten. Heute sind es, je nach Saison, zwischen 200 und 500. Marvão macht sich Hoffnungen auf den Titel eines Weltkulturerbes. 

Beeindruckt wandern wir durch die engen Gässchen, staunend und fast sprachlos dann rundherum an der Stadtmauer entlang. Egal wo – ringsum – nur Aussicht. Ein schier unendlicher Blick in den Alentejo im Westen, zur Serra da Estrela im Norden, weit nach Spanien im Osten und in die Serra de São Mamede im Süden. Und über uns kreisen zwei Adler. Wenn nur der Ostwind nicht so kalt wäre. Aber wir sind sehr dankbar, dass wir das erleben dürfen, besonders auch in diesen schwierigen Zeiten…

Fortsetzung folgt! 🙂