oder: Von der Sierra Nevada bis in die Wüste

Um die Jahreswende kommt man ja gern ins Sinnieren, so auch Donnamattea. So viel hat sie schon gesehen und erlebt in den letzten zwei Reise-Monaten. Und auch darüber berichtet. Heute einfach mal nur ein paar Assoziationen, eine Ideenkette. Was ihr so einfällt…

  • Da kommt ihr zuallererst ihr Leitspruch von Johann Wolfgang von Goethe in den Sinn, der tatsächlich genau auf ihre/ unsere Art zu reisen zutrifft. Alle folgenden Zitate auch von Goethe.

Jeder muss wissen, worauf er bei einer Reise zu sehen hat und was seine Sache ist.

  • Manchmal geht es nicht nach ‚Plan‘. Granada zum Beispiel. Wir nähern uns von Antequera (letzter Beitrag) voller Vorfreude. Wie wunderbar liegt die Stadt vor den schneebedeckten Bergen der Sierra Nevada! Aber: wahnsinnig hohes Verkehrsaufkommen; erster angefahrener Stellplatz völlig inakzeptabel; Campingplatz notwendig – dort erfahren wir, dass Tickets für die Alhambra erst in einer Woche wieder verfügbar sind. Und was machen wir? Abfahrt nach einer Nacht. Lassen wir das. Beim nächsten Mal sind wir schlauer (vorbuchen!). Auch gut. Und ich habe kein Foto von den Bergen. Wie im Leben – nicht alles klappt so, wie man vorher denkt.
  • Nächster Tag. Sommerwetter am Stausee Embalse de Béznar. ‚Klappstuhlgeeignet‘ – wie es im Wohnmobilführer immer so nett heißt. Mit mehreren sehr herzlichen menschlichen Begegnungen. Gemeinsam musizieren. 🎵🎶🎵

Nichts ist höher zu schätzen als der Wert des Tages.

  • Wir halten uns weitgehend an die Tour 13, später dann 12 des Reiseführers Mit dem Wohnmobil nach Andalusien von Christian und Christina Winkler; super Tipps wie immer bisher. Danke an die Verfasser! Pause am Straßenrand nach wunderbarer Fahrt durch die Berge der Sierra Nevada:

Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll.

  • Silvester. Einige der unzähligen Mandelbäume an den Hängen des Gebirges blühen schon! Und das in einer Höhe von bis zu 1300 Meter. Tagestemperatur heute 26 Grad – im Schatten.

Jeder Augenblick ist von unendlichem Wert.

  • Auch die folgenden Sprüche von Goethe beschreiben sehr gut das ständige, neugierig-wissbegierige Weiter, welches mit einem Wohnmobil so wunderbar zu meistern ist. Wenn man länger bleiben will, macht man es eben. Passt immer.

Man reist ja nicht, um anzukommen, sondern um zu reisen.

  • Auffahrt zum Pass:

Wer nicht neugierig ist, erfährt nichts.

  • Mein außergewöhnlichstes Silvester/Neujahr. Auf einem Pass. Am Tag wie gesagt noch 26° – nachts 0°. Völlige Ruhe. Kein einziger Knaller. Zwei kleinere Wanderungen. Mit viel Aussicht. In die weite andalusische Landschaft. Ins neue Jahr. Was für ein wundervoller Beginn – hier oben. Was wird es wohl alles bringen, das Jahr?

Lerne alt zu werden mit einem jungen Herzen. ♥️♥️

  • Abfahrt vom Pass auf sehr schmaler und kurviger Straße mit einigen notwendigen Ausweichmanövern. Auch im Leben wird es manchmal brenzlig und man muss stehen bleiben, abwarten und sich mit dem Gegenüber einig werden. Kurz darauf Schlendern bei herrlichem Sonnenschein ins neue Jahr hinein. Im Dorf La Calahorra mit der auf einem Hügel thronenden Burg Castillo de la Calahorra:
  • Desierto de Tabernas, Europas einzige Wüste. Die Bergkette der Betischen Kordilleren schneidet sie von den feuchteren Winden des Mittelmeeres ab. Die Landschaft lässt einen stark an Texas oder Arizona denken. Und so ist es nicht verwunderlich, dass hier in den 1960er Jahren ‚Kleinhollywood‘ entstand. Wir lesen weiter im Womoführer, dass hier Westernstreifen im Akkord gedreht wurden. Selbst das US-Kino kam ins damalige Billiglohnland Spanien und drehte z.B. ‚Lawrence von Arabien‘ und ‚Indiana Jones‘ in Tabernas. Es gab viele komplette Westerndörfer. Drei kann man heute noch besuchen. Aber es stehen sehr viele Autos und Wohnmobile auf den dazugehörigen Parkplätzen. Und deshalb lassen wir das lieber – zu sehr vermarktet, zu viel Show, zu viele Menschen, Vorsicht wegen ‚Omikron‘..
  • Wir haben unser eigenes ‚Wüstenerlebnis‘. Am ‚Tor zur Wüste‘, der Puerta del Desierto bei Tabernas. Es würde zu weit führen, die ganze Geschichte zu erzählen. Kurz gesagt, wir durften nicht für eine Nacht am relativ mühsam angefahrenen Stellplatz bleiben, obwohl etliche Plätze frei waren. Wir bekamen dagegen einen Vortrag über ‚richtigen Urlaub‘ aufgedrängt. Echt peinlich, der Besitzer ein Deutscher… Naja – unser Negativbeispiel einer menschlichen Begegnung; gibt es halt auch im Leben. Wir nächtigen dann ein paar hundert Meter weiter. (Alle Standplätze der Reise weiterhin hier.)

Eine Reise gleicht einem Spiel. Es ist immer etwas Gewinn und Verlust dabei – meist von der unerwarteten Seite.

  • Noch ein schöner Spaziergang. Am Sonntagmorgen in Sorbas, welches malerisch hoch oben auf einer Felsenklippe liegt; das Womo parkt am Fuß des Felsens:

Der Zweck des Lebens ist das Leben selbst.

  • Über das Städtchen Vera erreichen wir Cuevas del Almanzora. Schon der Ortsname beinhaltet das Wort ‚Höhle‘ und bezieht sich auf seit 5000 Jahren existierende Wohngrotten, die damals in den lehmigen Fels getrieben wurden. Bis Mitte des 20.Jahrhunderts waren die Höhlen dauerhaft bewohnt. Jetzt werden sie nur noch als Lager oder Schuppen genutzt. Leider stecken wir mit dem Womo mal wieder (fast) im Ort fest und finden nur eine einzige Zufahrt beim Terrera de Calguerín. Das Eintrittshäuschen ist aber dann auch ein ‚lost place‘. Das Womo wartet derweil am Rand von großen Eissalat-Plantagen. Überhaupt wird hier überall jeder Fleck für den Anbau von Salat, Gemüse, Obst, Oliven, Mandeln usw. genutzt, oft auch weite Flächen unter Foliendächern. Und ansonsten sieht man sehr viele Berge. Spanien besitzt gefühlt unendlich viele Berge und Gebirge – das fällt auch einer Schwarzwälderin auf!

Wir sind an der Grenze Andalusiens zur Region Valencia angekommen. So viel Schönes haben wir gesehen und erlebt. Aber Andalusien ist riesengroß. Noch viel mehr haben wir nicht gesehen.

Da gibt es nur eine Lösung: Wieder kommen!

Man muss oft etwas Tolles unternehmen, um nur wieder eine Zeitlang leben zu können.

  • Wenn wir heute losfahren würden, wären wir in einem Tag zu Hause. 2000 Kilometer. Ganz so eilig haben wir es aber nicht. Man wird sehen..

Wir haben genug Zeit, wenn wir sie nur richtig verwenden.