Andalusiens Küste schmeckt meistens gut. Es gibt aber auch die andere Seite: Tomaten, Salate, eigentlich jede Gemüseart – alles unter Plastik. So weit das Auge reicht… „Europas größter Wintergarten“. Davon nachher mehr.

Zuerst die ’netten Orte‘. Chronologisch, in Kurzfassung. Damit der Tourenverlauf nachvollziehbar bzw. für uns in Erinnerung bleibt. Die genauen Übernachtungsdaten hier.

A = El Calón, Cala Dos Hermanas (siehe Beitrag 12). Unser erster wundervoller Platz zum Einstieg in die diesjährige Andalusien-Tour.

B = Vera-Playa. Schöner breiter Strand. Wir erledigen in der nahen Umgebung außerdem Tanken und Gasflaschen-Tausch. Aber wir bleiben nicht…

C = Garrucha. Ein Küstenort – aber ohne Badewetter. Besonders bemerkenswert nur wieder unsere ‚Sack-Avenida‘ mit Meerblick. 🙂

bei D = Carboneras: eine traumhafte Passhöhe. Wir befinden uns nun für eine Weile im Naturpark ‚Cabo de Gata-Níjar‘.

E = Rodalquivar (siehe eigener Beitrag 13), das außergewöhnliche Goldminen-Dorf mit dem interessanten Botanischen Garten.

F = Isleta del Moro, ein kleines nettes Dorf im Naturpark mit großem Parkplatz. Allerdings ein Schild: Übernachten kostet bis zu 600€ Strafe! Also? Ab zum nächsten offiziellen Stellplatz nach –>

G = Los Albaricoques mit dem ‚Camper Park Olivares‘. Eingezäunt, das Tor öffnet sich nach dem Klingeln. Eigentlich eher ein gemütlicher, einfacher Campingplatz. Gutes Wifi. 🙂

H = Cabo de Gata; auf Empfehlung des Stellplatz-Verwalters angefahren. Einziger Parkplatz fast voll. Nach einem Rundgang auf der weiten Strandpromenade fahren wir weiter.

I = Roquetas de Mar ist unser Plan B, da der Stellplatz am Hafen in Almería voll ist. 15 Plätze gibt es am Stadtrand/Stadtstrand (Sackstraße) mit Blick aufs Meer – und sogar ruhig.

J = Castillo de Guardias Viejas. Unser Ziel nach Roquetas de Mar. Viel Aussicht. Allerdings erst nach der abenteuerlichen Durchquerung des ‚Mar del plástico’…

El plástico…


Sieht doch so schön aus, das Gemüse! Und ja, wir sind ziemlich unbedarft und relativ ahnungslos ins ‚Plastikmeer‘ geraten. Und dann ziemlich geschockt mittendurch, bei Regen.

Durch ein Meer aus Plastik und überall Wasser, weil es kaum Kanalisation gibt. Nur Plastik-Gewächshäuser…

Zuerst ein paar Informationen und Zahlen (Quelle: Google), die den Begriff ‚Plastikmeer‘ erklären:

  • Wo gibt es die meisten Gewächshäuser?

Für fast vier Milliarden Euro pro Jahr exportiert Spanien inzwischen Obst und Gemüse nach Deutschland. Das meiste kommt aus Almería, wo die Konzentration von Gewächshäusern so groβ ist, wie nirgendwo anders. Sein Mikroklima und 3000 jährliche Sonnenstunden machen Almería einzigartig.

  • Wie viele Gewächshäuser gibt es in Almería?

Ein Landstrich unter Folie. Geschätzte 40.000 Gewächshäuser dehnen sich in der spanischen Provinz Almería über mehr als 350 Quadratkilometer aus. So wird Deutschland auch im Winter mit mediterranem Salat versorgt, doch der ganzjährige Gemüseanbau hat seinen Preis.

  • Wie groß ist das Plastikmeer in Almería?

Das Plastikmeer, ein besonders großer Teil der weltweiten ‚plasticulture‘, also der Landwirtschaft (agriculture) mit Plastik, erstreckt sich auf mehr als 36.000 Hektar um die Stadt El Ejido in der Provinz Almería herum. Hier gibt es eigentlich eine weitgehend unfruchtbare, steinige Wüste.

El Ejido ist eine spanische Stadt in Andalusien. Sie gehört zu der Provinz Almería und ist durch den Gemüseanbau in Gewächshäusern geprägt. Die Stadt ist eine der reichsten Spaniens. Soziale Spannungen bestehen zwischen den einheimischen Andalusiern und marokkanischen Gastarbeitern.

Die Umgebung El Ejidos in Südspanien gleicht einer unfruchtbaren und steinigen Wüste, doch unter der Erde liegt ein System unterirdischer Flüsse mit jahrtausendealtem Grundwasser. Dazu kommen noch wichtige Faktoren wie Bodenfeuchtigkeit, Mikrothermik und Versalzungsresistenz.

Die geologischen Umstände waren die Auslöser einer jahrelangen Ausdehnung des Gemüseanbaus. El Ejido ist Europas größter agrarindustriell genutzter ‚Wintergarten‘. In El Ejido werden zahlreiche Gemüsesorten angebaut, und ein Großteil der Bevölkerung ist vom Gemüseanbau abhängig, der zu einem gewissen Wohlstand führte. Dies ist nicht zuletzt durch die geringeren Lohnkosten zu erklären. Viele Flüchtlinge arbeiten ohne Papiere für einen Stundenlohn unterhalb des Tarifs. …..

Es ist die weltweit größte Anbaufläche unter Folie. Pro Jahr werden etwa 3 Mio. Tonnen Treibhausgemüse produziert.

Aufgrund des sehr großen Flächen- und Wasserverbrauchs und der in großem Umfang verwendeten Pestizide ist die ökologische Situation sehr schlecht. Das Grundwasser ist teilweise verschmutzt. ….

El Ejido (Wikipedia, verkürzt)

Nun meine Bilder – es fällt mir allerdings schwer, solch traurige, häßliche Wirklichkeit zu zeigen…

Jetzt ist auch klar, warum ‚Google.Maps‘ (ganz oben in der Tour-Karte) das Gebiet zwischen I und J unterhalb von El Ejido weiß darstellt (und sich weigert, unsere tatsächliche Fahrstrecke überhaupt abzubilden) – ein weißes Plastikmeer. Noch besser ist dies aus der Luft bzw. sogar aus dem All zu erkennen. Ich empfehle euch dazu außerdem folgenden Beitrag im Internet: Das Plastikmeer/ Telepolis. Einen weiteren interessanten Bericht findet ihr bei der Bloggerin Mari Leise Reise – Spaniens Plastikmeer.

Zum Schluss noch ein paar versöhnliche Bilder vom Meer vor dem Plastikmeer. Sehr vom Sturm aufgewühlt allerdings.